Am Katzentisch, 07

Nicht dazugehören, 2022, Acryl/Öl auf Leinwand, 2 x 120 x 80 cm

Diese Arbeit ist Teil von „Am Katzentisch“. Hier nehme ich den Fokus auf das Umfeld des Katzentisches. Ich habe als Sitzgelegenheit den Monobloc-Stuhl ausgesucht. Ihn kann sich Jede und Jeder leisten. Er ist weltweit erhältlich. Auf den Stühlen sitzen Amseln, die miteinander kommunizieren. Die Vorlagen für diese Amseln sind 36 s/w Fotos von I.B., die er vor 2007 auf einer Balkonbrüstung gemacht hat. Er hat einen Vogel beobachtet. Den Film habe ich in seinem Nachlass in einer Kamera gefunden, entwickeln und vergrößern lassen. Ich habe 2008 diese Fotografien mit ca. 8 gebrauchten Damenhandtaschen, die mit 4711 getränkten Taschentüchern und Poesiealben gefüllt waren, in Bochum in der Christ-König-Kirche bei der Ausstellung: 20 Bochumer Künstler stellen sich vor, gezeigt; die Fotos lagen auf der Ablage für die Gesangbücher in einer Reihe, darunter hingen an den dafür vorgesehenen Haken die Handtaschen. Ich wollte mit dieser Installation die Traurigkeit und Einsamkeit benennen, die sich (manchmal) bei den Gottesdienstbesucherinnen einstellt.

59.Biennale Venedig

insgesamt 32 Stunden Zugfahrten, Aufenthalt 3 Tage: 1. Tag in den Giardini und auf dem Lido, 2. Tag Arsenale, 3. Tag in der Punta della Dogana (Bruce Naumann), im Museo Grassi (Marlene Dumas), im Showroom Olivetti am Markusplatz (Lucio Fontana /Antony Gormley), in der Galleria dell’Accademia und zum Schluss noch im Palazzo Manfrin Anish Kapoor gesehen. Ich fühle mich ziemlich schwach aber voll mit herrlicher Kunst.

Noah Davis, 40 Acres and a Unicorn, 2007
Gesehen im Arsenale
Gesehen im Olivetti Showroom, Markusplatz (Antony Gormley)

Am Katzentisch, 05

Sonntag, 3.6.22, konnte ich in einem großzügigen Fotoatelier bei B.C. die Installation im jetzigen Umfang auslegen. Sie hat nun einen Durchmesser von ca. 2,50 m und wird wahrscheinlich auf 3 m wachsen. Je nachdem, wo ich die Arbeit zeigen kann. Der Eindruck, dass sehr viele Esser an dem Schale Weizen interessiert sind, soll noch deutlicher werden. Jetzt werde ich mich mit den Bildern auseinandersetzen, die noch dazukommen werden.

Am Katzentisch, 04

Diese Objekte werden die 2. Version des Katzentisches (Bodeninstallation) erweitern und ergänzen. Ich stelle fest, dass das eigentliche Thema der Arbeit sich verändert und ausdehnt. Unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine und die zu erwartende Verknappung der Grundnahrungsmittel möchte ich diese Bedrohung ausdrücken.
Die bestehende Installation (siehe 04) wird ergänzt durch kleinere silberne Tee- und Kaffeelöffel, danach kommt eine Welle bzw. ein Schwarm von kleinen Holzlöffeln, ca. 400 Stück oder mehr. Der in der Mitte stehende Napf mit Weizen wird sicher nicht für alle reichen.
Jetzt wird die Situation kippen: Pflastersteine liegen in Reichweite. Die Nelke als Symbol der Revolution verarbeite ich zu einem Bild, das zur zornigen Katze kommt. (Katzenbild nach einer Fotografie von Elke Vogelsang aus der ZEIT-Serie: „Du siehst aus, wie ich mich fühle“).

Am Katzentisch, 03

Hier bei dieser Anordnung habe ich den Tisch weggelassen und den Kreis anhand der Sitzkissen direkt auf den Boden gelegt. Der Tisch wurde überflüssig. Der schwarze Stoff ist alter schwerer Seidensatin, ein ehemaliger bodenlanger Rock meiner Mutter. Sie trug ihn in den 50er oder 60er Jahren bei Tanzveranstaltungen und hat ihn wohl öfters geändert. Es tat mir etwas weh, diesen Rock zu zerschneiden, aber es machte Sinn, denn er hat auch mit dem Leben meiner Mutter zu tun. Die silbernen Löffel stammen aus einem anderen Haushalt. Mit ihnen wurde die Suppe gegessen, die zum Sonntag gehörte wie das Ausschlafen. Die Löffel zeigen auf die Holzschale, in der sich der Rest des Hühnerfutters befindet. Mich hat die Zusammenstellung der 4 Materialien gereizt, diese Version auszuprobieren und zu fotografieren. Ob damit das gestellte Thema getroffen wird, ist fraglich.

Am Katzentisch, 02

Auf den Rand des „Katzentisches“ habe ich den Text des Gedichtes von Erich Kästner „Vornehme Leute, 1200 Meter hoch“ geschrieben. Das Gedicht entnahm ich folgendem Band, s.u., S. 98.

Am Katzentisch, 01

Ich hatte mich mit der Arbeit „Am Katzentisch“ im Mai 2020 für die Ausstellung Stadt.Land.Schloss / Schloss Bevern beworben, bin leider damit durchgefallen. Ein Halbjahresstipendium des Kunstfonds

macht es mir möglich, mich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen und es weiterzuentwickeln. Meinen Blog benutze ich, um diese Arbeit zwischen Mai und Oktober 2022 zu dokumentieren.

Folgende Gedanken / Ideen waren Auslöser zu dieser Arbeit:

  1. Der Begriff „Am Katzentisch sitzen“ wird verwendet um darzustellen, dass die dort sitzenden Personen nicht an der „Tafel“ sitzen dürfen, also zweitrangig oder nicht so sehr wichtig sind. Das bezieht sich teils auf Kinder, teils auch auf Erwachsene, die zum Beispiel in Restaurants einen Tisch neben der Toilette zugewiesen bekommen oder weit entfernt vom eigentlich wichtigen Geschehen sitzen müssen. Mich beschäftigte bei der Arbeit, diesem Gefühl der Zurücksetzung nachzugehen und was es auslöst: Einmal den Wunsch, auch zu den Bevorzugten zu gehören oder ebenso den Wunsch, die schwer zu ertragende Situation radikal zu ändern.
  2. Der Roman „Katzentisch“ von Michael Ondaatje. Hier erleben 3 Jungen im Alter von ca. 12 Jahren eine Schiffsüberfahrt nach England am Katzentisch. Die Personen, die sie dort antreffen, sind aber sehr unterhaltsam. Es ist dort interessanter als am Kapitänstisch, an dem alle Mitreisenden sitzen wollen.
  3. Der Bezug zu Schloss Bevern: Hier bestand zwischen 1832 bis 1834 die Einrichtung einer Herzoglichen Besserungs- und Arbeitsanstalt, einer sogenannten „Correctionsanstalt“. Die Bewohner wurden „Corrigenden“ genannt. Nach mehreren Bränden wurde die Anstalt nach Wolfenbüttel verlegt. Die Installation „Am Katzentisch“ soll diese Herabsetzung verdeutlichen.
  4. Auf den Tischplattenrand ist ein Gedicht von Erich Kästner von 1929 geschrieben. Titel: „Vornehme Leute, 1200 Meter hoch“.
2020, Am Katzentisch (1), runder Tisch d. 72 cm, Höhe 56 cm, bezogen mit Leinwand, Bemalung Acryl, 6 Sitzkissen Seide/Wolle d. 25 cm

Tschüss Henny

Henny legte mir 52 Eier. Ich freute mich an den körperwarmen Geschenken. Nun kommt sie nicht mehr zu mir. Auch der Kater vermisst sie, obwohl er eifersüchtig war. Welches Ende Henny genommen hat, weiß ich nicht sicher. Der eigentliche Besitzer erzählte etwas vom „Fuchs“. Ich glaube nicht dran. Wahrscheinlich hat wieder der neue Hund gewütet. Seltsam: gerade muss ich an den Krieg denken.

Nr. 50 – 52 hänge ich an den Osterstrauß, leer und bemalt. Vorher haben sie einem Kuchen gedient.

STOP IT

20. Kriegstag. Am 16. Kriegstag habe ich mit diesem Bild begonnen. Es sollte eigentlich eine weitere Arbeit zum Thema „Verdichtung“ werden, das mich schon seit vielen Jahren beschäftigt. Also eine Verdichtung bildhaft zu machen und dabei immer darauf zu achten, dass der Weg, wie es zu dieser Verdichtung gekommen ist, sichtbar bleibt. In diesem Fall sind es Strichüberlagerungen, die mit dem Pinsel über die Kreisform gelegt werden.
Die erste Lage entstand mit einem harmlosen Pink, das mich zuerst ziemlich an das Vichy-Karo erinnerte und an fröhliche herumhüpfende Sommermädchen mit blonden Zöpfen. Nach der nächsten Lage mit einem etwas dunkleren Rot sah der Kreis eher wie eine Erdbeere aus. Die Steigerung danach und auch die für mich unerträglichen Nachrichten ließen das Bild zu einem „le trou dans la tete du W.P.“ werden. Nun ist es zu einem „STOP IT“ geworden.
Jetzt habe ich mir ein dunkleres Violett angemischt und zögere noch, damit weiterzuarbeiten, weil ich das Resultat nicht kenne.